Meine ersten Schritte in der Schweiz

Der Entschluss im Ausland nach einem Job zu suchen

Warum habe ich Deutschland verlassen? Die ehrliche Antwort beginnt nicht mit Abenteuerlust, sondern mit einem Systemproblem in Deutschland. Als Dentalhygienikerin fehlte mir dort zunehmend die Wertschätzung für unseren Beruf. Ein Berufsbild, das medizinisch, präventiv und eigenverantwortlich arbeitet, aber strukturell ausgebremst wird. Gleichzeitig hörte ich immer wieder von der Schweiz: anerkanntes Berufsbild und klare Qualifikations-Strukturen. Und vielleicht ein weiterer Grund der genauso wichtig erschien: der Wunsch nach Veränderung. Raus aus der bayerischen Kleinstadt. Rein in eine Stadt, die größer denkt.

Warum Schweiz? Es hätten auch ein anderes Land werden können, aber ich bekam die Möglichkeit mich bei einem deutschen Zahnarzt in Zürich vorzustellen. Er kaufte 2019 eine Praxis im Herzen von Zürich, arbeitete dort allein mit einer Praktikantin aus Syrien und suchte eine Dentalhygienikerin. Über eine Kollegin erfuhr ich davon. Zahnarzt Thilo Grauheding und ich trafen uns in Heidelberg für ein Vorstellungsgespräch. Er ist Erfinder der SWAK-Zahnpflegemethode SWAK Zahnpflege Information Diese Philosophie traf so meinen Geist der für Prävention strebt, dass ich sofort wusste, wir können gemeinsam etwas Besonderes kreieren. Ich besuchte ihn in Zürich und so nahm alles seinen Lauf.

Shaza und ich in der Zahnarztpraxis Zürich, 2023

1. Schritt: Anmeldungen beim Stadthaus Zürich

    2023 meldete ich mich als Neubürgerin mit B-Bewilligung im Stadthaus Zürich an. Ein Moment, der mir bis heute in Erinnerung geblieben ist. Ich wurde eingeladen zu einem Immigrationsvortrag, organisiert von zwei Immigrationshelfer. Rund 100 Menschen saßen im Saal. Uns wurde erklärt, wie die Mülltrennung funktioniert, wie die Politik funktioniert, wie glücklich sie sind, dass es Einwanderung gibt und eben wie die Schweiz tickt – sachlich, ruhig, respektvoll. Nach dem Vortrag gab es Essen, Sekt und Orangensaft. Man konnte Kontakte knüpfen. Fragen stellen. Und das Schönste: an einer kostenlosen Stadtführung auf Deutsch teilnehmen.

    Kurz darauf bekam ich meine B-Bewilligung. Und dann eine Wohnung zur Untermiete. Zwölf Monate lang lebte ich in einem wunderbaren Viertel – zehn Minuten Fussweg zur Praxis, zehn Minuten zum Zürichsee. Gleichzeitig hatte ich noch mit meinem Partner in Landsberg am Lech das Zuhause. Es ist eben gar nicht leicht das alt gewohnte loszulassen …

    2. Schritt: Anerkennung zur Dentalassistentin (ZFA)

    Bevor die Patientenbehandlung stattfinden darf, muss eine Anerkennung zur Dentalassistentin in der Schweiz stattfinden. Das bedeutet ich muss das Diplom zur zahnmedizinischen Fachangestellten (ZFA) einreichen (Anerkennung dauert ca. 4 Monate) https://www.anerkennung.swiss/search

    Diese Schritte hatten problemlos geklappt. Doch dann kam der Schock.

    Mein Berufstitel Dentalhygienikerin wurde nicht anerkannt. Stattdessen lies ich mich als Prophylaxeassistenz anerkennen. Das war ein Tiefpunkt. Ein Gefühl von Rückschritt. Schikane. Zweifel. Wut. Traurigkeit.

    3. Schritt: Anerkennung zur Prophylaxeassistentin (PA) und Dentalhygienikerin (DH)

    Institut zur Anerkennung der Prophylaxe-Assistentin. Das bedeutet ich muss das Diplom zur Zahnmedizinischen Prophylaxe Assistenz (ZMP) einreichen. In meinem Fall entschied sich das Institut SZDA in Zürich mich praktisch zu prüfen.

    https://www.szda.ch/de/weiterbildung/prophylaxeassistent-in-sso/?utm_source=chatgpt.com

    Institut zur Anerkennung der Dentalhygienikerin über das Rote Kreuz. In meinem Fall ist die Anerkennung fehlgeschlagen.

    https://www.redcross.ch/de/unser-angebot/gesundheitsberufe-anerkennung-und-registrierung/anerkennung-auslaendischer-diplome?utm_source=chatgpt.com


    Kommentare

    2 Kommentare zu „Meine ersten Schritte in der Schweiz“

    1. Anke Sauter

      Schön und ehrlich wie du geschrieben hast! Ich denke, du hast das Richtige getan und Wertschätzung seitens dem Arbeitgeber ist so wichtig und einfach so easy. Es muss nicht das Geld sein sondern kleine Dinge! Mach weiter so, es tut dir gut, und nicht so viel zweifeln🙃🙂🙃

      1. Danke Danke Danke 🙂 Ich schreib jetzt über die Weihnachtsfeiertage mal weiter und teile euch meine Gedanken mit. Hab schöne Weihnachten Anke. Liebe Grüsse
        Sabine

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